Gestern lief StrnTV im TV. Thema war eine gemeinsame Aktion von Lidl und Greenpeace.

Warum bezahlt Lidl Hunderttausende Greenpeace-Magazine, ohne sie weiterverkaufen zu können? Bei stern TV erklärten Vertreter von der Umweltschutzorganisation und dem Discounter ihre ungewöhnliche Geschäftsbeziehung.

Oder hier bei Duckhome. Wie bestraft man eigentlich Firmen?

„Nein, das ist keine rhetorische Frage. Das ist ein echtes Problem, das sogar die europäische Kartellrechtsbehörde beschäftigt. Bis jetzt ist es ja in Deutschland so, das Geldstrafen für Firmen nur dazu führen, das den Mitarbeitern der Lohn gekürzt wird. All die netten Damen und Herren die immer so laut nach der Eigenverantwortung von Kranken, Schwachen und Armen schreien, halten die Bestrafung von Firmen für völlig überflüssig.“

Und auch beim Spreeblick mit China und das Internet und besonders Fütterungszeit.

„Die Theorien und Behauptungen, die derzeit in einigen deutschen Blogs kursieren, machen mich ebenso sprachlos wie die streckenweise auftretende Aggression, die kurz vor dem Aufruf zur Gewalt gegen meine Person steht. Als würde ich „Yahoova! Yahoova!“-brüllend auf meine Steinigung warten. Denn Teile der deutschen Bloglandschaft, so kann man den Eindruck bekommen, haben endlich den Schuldigen für die Yahoo vorgeworfenen Menschenrechtsverletzungen gefunden. Und er trägt meinen Namen.“

Es begann damit, dass ich mir die Frage stellte „Was ist eigentlich PR?“ Public Relation ist doch im Grunde sowas wie Manipulation, sagte ich zu einer PR-Schnecke. Gut sie war die Geschäftsführerin dieser Agentur aber sie fragte mich, wie ich dazu käme, derart Fragen zu stellen. Und so erzählte ich von meinen Vermutungen über die Auswirkungen von PR. Zugegeben, dass ich mit diese Branche noch nie etwas zu tun hatte wurde sie unwirsch. Spannend, dachte ich. Da habe ich wohl eine Frage gestellt, die eine gewisse Brisanz besaß.

Öffentlichkeitsarbeit, so das deutsche Wort für Public Relations, ist keines Wegs manipulativ sondern stellt Positionen und Sachverhalte klar, wurde ich aufgeklärt. PR ist der lange Arm des Unternehmenssprechers oder auch des „Head of Communication“. Aha, und wie funktioniert das ganze? Fangen wir mal ganz vorne an.

Da ist eine Zeitung mit vielen Lesern und darin schreiben verschiedene Autoren über unterschiedliche Themen. Diese Autoren sind Journalisten die sich täglich auf die unterschiedlichsten Themen stürzen um darüber zu berichten. Jeder Journalist hat die Aufgabe sich über seine Themen schlau zu machen, Hintergründe auf zu decken und Dingen auf den Grund zu gehen, damit er seinen Lesern ein Bild des Geschehens vermitteln kann. So.

Diese Journalisten kommen auch zu den Unternehmen und stellen ihre Fragen. Dabei muss der Head of Communication sehr darauf achten, dass er dem Journalisten den Eindruck vermittelt, den er später in der Zeitung lesen möchte. Dafür erstellt er Pressemeldungen oder gleich ganze Presse-Kits, in denen man in verheißungsvoller Sprache auf sämtliche Glanzpunkte der Firma hingewiesen wird. Und da der Journalist ja was schönes schreiben soll, wird er von allen Seiten umsorgt und verwöhnt.

Das kann schnell in viel Arbeit ausarten, besonders wenn es viel zu umschreiben gibt. Umschrieben werden die Punkte die nicht so glänzen und über die man am liebsten gar nicht sprechen möchte, die aber auch immer wieder von nervigen Journalisten angesprochen werden. Unternehmen, Staaten und Verbände bedienen sich der Mechanismen der PR, denn es hat ja auch immer einen Beigeschmack, wenn einem ein Unternehmen erzählt wie toll es ist und werden will (Angeber, Poser), also lässt man andere vor. Die PR-Agenturen haben sich seit ihrer Erfindung einen Markt geschaffen, der seines gleichen sucht (wer hat Zahlen?). Weltweit werden Positionen und Argumente abgewogen und mit emotionalen Worten überzogen, bis so gut wie nichts mehr übrig ist, von der Wahrheit, von der es scheinbar mehrere gibt. Denn es ist nicht gelogen, wenn man lediglich über die guten, positiven Aspekten berichter und die negativen einfach weg lässt und höchstens auf Nachfrage eine weichgespülte Antwort aus einer Argumentations-Unterlage zieht – solange, bis kein Journalist mehr Bock hat.

Dabei haben die wenigsten Journalisten überhaupt noch Bock, irgendwas zu recherchieren. Haben sie keine Zeit? (Zeit ist Geld) Wie auch immer, die Zeitungen jedenfalls wurden langweiliger und langweiliger (daher weniger leser, noch weniger einnahmen, noch billigere Inhalte, copy n paste, ende) und wundern sich jetzt, warum das Internet und die Blogger so viel Erfolg haben. Ich wundere mich ja über gar nichts mehr.

So geht es denn weiter und ich entdecke bei immer mehr Gelegenheiten die Wirren der Kommunikation. Ob es der eMail-Verkehr der Kollegen ist oder die Kommentare großer Blogs sind, die aneinander vorbeireden. Die Mutter und der Lehrer, das Kind und seine Mutter. Es wird immer schwieriger. Selbst die NASA hat Schwierigkeiten Nachwuchs zu bekommen, der die komplexen Zusammenhänge der Weltraummissionen verstehen.

WERDEN DIE MENSCHEN DÜMMER? (oh Gott)

Langsam, so scheint mir, kommen die Positiven Funktionen des Internet zum tragen. Durch die neue Vernetzung, die es in dieser umfänglichen Form zuvor nicht gegeben hatte, werden Zusammenhänge klar, die vorher im scheinbar Verborgenen lagen. Es geht um Authentizität mit Werbung (siehe Spreeblick) es geht um klare Abmachungen Bei Reinigungs-Firmen wie Greenpeace oder den neuen Ablasshandel und es geht um die Bestrafung von Firmen. Das alles sind Punkte die es auch schon lange Zeit vor dem Internet gab aber auf einmal kommen sie zur Sprache.

Was der gemeinsame Punkt dieser verschiedenen Themen ist wird deutlich, wenn man sich fragt was dahinter steckt oder besser gesagt, WAS NICHT.

Ist es die vollumfängliche Betrachtung von Prozessen, Produkten, Menschen, Meinungen etc.? Die Fähigkeit sich in etwas hinein zu versetzen – mit zu fühlen? Geduld zu haben für die eigene Meinung und für Andere? Vertrauen zu schenken, auch wenn es mal ausgenutzt wird?

Irgendwo da drin steckt die Wahrheit, meine ich und der neue Wind wird sie durch Deutschland wehen. Ich möchte ihm dabei gerne ein bisschen helfen.

P.S. Malte ist auch ganz nah mit seinem Text.

Advertisements