Konversion eines Straßenbahndepots – Einmalige Chance zur Neugestaltung von Stadtraum

Quelle:http://www.wohnungswirtschaft-aktuell.de/konversion/

(Meine Anmerkungen sind Eingerückt)

Bei der Stadtentwicklung in Verdichtungsregionen spielen Möglichkeiten der Folgenutzung von Flächen des öffentlichen Schienennahverkehrs häufig eine wichtige Rolle. Vor wenigen Tagen gab die ABG Frankfurt Holding den Startschuss für die Umnutzung eines ehemaligen Straßenbahndepots im Frankfurter Stadtteil Bornheim.

Aha, den „Startschuss“. Ich dachte, das das Grundstück der Stadt Frankfurt am Main gehört. Aber die ABG Frankfurt Holding gibt Startschüsse! Also bitte, wer hat hier den Startschuss gegeben?

Stadtraum gestalten

Bei diesem Projekt geht es um mehr als nur die Umnutzung des Geländes: die ABG nutzt in beispielhafter Weise die ganze Palette moderner Stadtentwicklungsinstrumente. Das Konzept zielt auf eine Funktionsdurchmischung. Es soll zugleich auf die umliegenden Quartiere ausstrahlen.
„Wir haben hier die einmalige Chance, ein rund zehntausend Quadratmeter großes Areal mitten in Frankfurt, das bisher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war, neu zu erschließen, als Stadtraum zu gestalten und damit wieder für die Menschen nutzbar zu machen“, so ABG-Geschäftsführer Frank Junker zu Beginn der Bauarbeiten.

Also der obere Absatz hätte auch von einem Bundespolitiker kommen können, so wenig sagt er aus mit seinen Buzz-Words.

Was der Geschäftsführer dann loslässt gipfelt in Dreistigkeit, denn es hat schon immer der Öffentlichkeit gehört und wurde privatisiert und somit den Menschen weg genommen.

Ebenso wie Marktplätze die zu Einkaufszentren konvertieren in denen der Aufenthalt von privaten Sicherheitsleuten kontrolliert wird und jeder Straßenkünstler eine Konzession besitzen muss.

Breite fachliche und politische Basis

Die ABG stellte die Erarbeitung der Konzeption auf eine breite fachliche und politische Basis. Gleich drei Architekturbüros erstellten das Nutzungskonzept und bezogen dabei Vertreter der Stadtplanung und der Bauaufsicht mit ein. Politisch flankiert wurde das Schlüsselprojekt für die weitere Entwicklung des Stadtteils Bornheim durch die Einbeziehung der planungspolitischen Sprecher der Stadtverordnetenfraktionen von CDU, SPD, FDP und den GRÜNEN sowie von Vertretern des zuständigen Ortbeirates.

Der Beginn der Bauarbeiten wurde auch von der Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth begleitet. Damit unterstrich sie die Bedeutung des Projektes für die Stadtentwicklung. Die Oberbürgermeisterin zeigte sich davon überzeugt, dass das Projekt ein Gewinn für Bornheim sei und damit den Stadtteil noch beliebter machen werde.

Ich höre daraus: Die ABG hat für die Eroberung dieses Grundstücks die Lokalpolitiker mit ihren Lobbyisten auf Linie getrimmt und gleich zu Beginn schon mit ordentlich Kohle um sich geworfen um attraktiv zu wirken.

Oberbürgermeisterin Petra Roth freut sich, dass Bornheim nun auch die Chance erhält, so ausgestorben und dekadent zu werden, wie das frankfurter Westend.

Wagenhalle wird Supermarkt und Treffpunkt

Zu den geplanten Maßnahmen gehört die komplette Demontage der denkmalgeschützten Wagenhalle, die restauriert und dann wieder aufgebaut wird. Auf einer Bruttogeschossfläche von 1.700 Quadratmetern wird dort ein Supermarkt mit großem Frischesortiment einziehen. Um die Anwohner vor Lärmbelästigung durch den Anlieferverkehr zu schützen, wird eigens ein Tunnel gebaut. Zudem sind Räume für Vereine und Gastronomie eingeplant. Das soll dem Quartier einen Treffpunktcharakter verleihen.

 Demontiert? Der Bagger hat sie einstürzen lassen, oder ist aus versehen dagegen gekommen 😉

U da ist er auch schon, der tolle, private Treffpunkt, den wahrscheinlich nur Menschen mit Konsumabsichten nutzen dürfen, von wegen Öffentlicher Raum.

Wohnen, Begegnung und Einkaufen

Das übrige Gelände wird mit vier- und fünfstöckigen Gebäuderiegeln bebaut. Rund zwei Drittel der 160 Wohnungen werden vermietet, ein Drittel als Bauträgermaßnahme an Eigentümer verkauft. Alle Wohnungen verfügen über Balkon oder Loggia. Ein Großteil der Erdgeschosswohnungen wird Zugang zu einem eigenen Garten haben. Die ABG setzt damit bei diesem insgesamt mit einem Investitionsvolumen von 39 Millionen Euro veranschlagten Projekt auf eine Verbindung von Wohnen, Gemeinschaftseinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten. Das denkmalgeschützte Straßenbahndepot wird umfunktioniert und gleichzeitig als Attraktivität steigerndes Gestaltungselement des Areals eingebunden.

Was ist hier mit Bauträgermaßnahme gemeint? Das geschickte verstricken und verschieben von Einnahmen, Ausgaben, Verpflichtungen etc.?

„…Das denkmalgeschützte Straßenbahndepot wird umfunktioniert und gleichzeitig als Attraktivität steigerndes Gestaltungselement des Areals eingebunden….“

Wuuhhhaaaaahahahahahhhh, was für ein Satz, welch hohe Kunst der Wellness-Sprache.

Akzent auf Energieeinsparung

Schließlich setzt die ABG auch in diesem Quartier auf die Passivhausbauweise, die sie bereits in mehreren Projekten, darunter auch bei der Sanierung von Gebäuden in Frankfurt, realisiert hat. Die kommunale Wohnungsgesellschaft unterstreicht damit, so Junker, ihr besonderes Engagement für eine umweltfreundliche energiesparende Bauweise.

Darf man heutzutage überhaupt noch anders, also ohne Rücksicht auf die Natur bauen? Wahrscheinlich schon. Trotzdem glaube ich, das diese Bauweise nicht angewandt worden wäre, wenn sie sich nicht besser verkaufen ließe.

(Ende der Pressemitteilung)

Nun, insgesamt freue ich mich ja, wenn gute, ökologische Wohnungen gebaut werden. Doch enttäuscht es mich auch immer wieder, wenn ich mit ansehen muss, wie leichtfertig mit alten Gebäuden umgegangen wird. Besonders da, wo es nur ums GELD geht.

Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass es sicherlich nicht der Realität entspricht, was man in Pressemeldungen ließt, auch wenn ein Jurist das mit Recht anders sehen würde – ich bin aber kein Jurist sondern ein Mensch der das Leben schätzt und besonders das Leben in einer gewachsenen und gesunden Gesellschaft.

Bornheim soll auch nicht werden wie das Westend. Das Westend war früher mal so ähnlich wie Bornheim, da trafen sich die jungen Studenten, die Kreativen und Denker. Eben alle die, die wussten das es mehr gibt als die pure GELDVERMEHRUNG. Jetzt wohnen im Westend fast nur noch vermögende Juristen, Ärzte und Yuppies. Die die wir in Bornheim nicht haben wollen. Die die eher die Freunde der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth aus Nieder-Eschbach sind. Die, die mit ihrem Geld alles zerstören ohne es zu merken.

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