Schon 1922 hat es klügere Menschen gegeben als die die heute eigentlich die Klügsten sein sollten…

Rudolf Steiner hat mit seiner Vortragsreihe über die Wirtschaft eine ganzheitliche, und unter Einbezug aller relevanten Fakten, auch eine übergreifende Erklärung der sozialen Marktwirtschaft erbracht.

Es kann auch dabei helfen die aktuelle Finanzkrise zu verstehen und Wege für eine Erneuerung zu finden.

Man muss den Text mit einer recht hohen Konzentration lesen. Das mag einmal an dem komplexen Thema liegen oder aber an Rudolf Steiner selbst, der bekannt ist für seine langen Sätze. Auf jeden Fall lohnt sich die Mühe.

Hier ein paar Beispiele. Der Link für das Gesamtwerk ist weiter unten…

Ja, es war das, was damals geschah im Wirtschaftsleben, bewußt in die menschliche Persönlichkeit gestellt. Aber es ist anders geworden. Es ist so geworden, daß heute von der einzelnen Persönlichkeit im Großen des Wirtschaftslebens ungemein wenig abhängt. Das menschliche wirtschaftliche Wirken ist schon sehr stark hineingegangen in dieses, was ich vergleichen möchte mit dem Ultraviolett. Und das ist dasjenige, was als Kapital als solches arbeitet. Die Kapitalmassen arbeiten als solche. Es liegt über dem wirtschaftlichen ein ultrawirtschaftliches Leben, was im wesentlichen bedingt ist von der Eigenkraft der Kapitalmassen, so daß wir sagen müssen: Wollen wir heute wirklich das wirtschaftliche Leben begreifen, so müssen wir es so ansehen, daß es in der Mitte liegt zwischen zwei Gebieten, wovon das eine in die Natur hinunter und das andere in das Kapital hinauf führt. Und dazwischen liegt das, was wir als das eigentliche wirtschaftliche Leben zu erfassen haben….

Und nun, im Jahre 1919 konnte man denken, weil alles im Grunde genommen zerstört war, daß die Leute gesehen haben würden, daß man mit etwas Frischem anfangen muß. Nun, es war nicht der Fall. Die geringe Anzahl von Menschen, die dazumal daran glaubten, daß man neu anfangen muß, sind auch sehr bald in die Bequemlichkeit verfallen: Man kann ja doch nichts machen. – Mittlerweile trat die große Kalamität ein, die Valutaentwertung in den östlichen und mittleren Gegenden, und damit eine vollständige Umwälzung der Menschenschichtung; denn mit jeder weiteren Entwertung muß selbstverständlich derjenige, der von dem lebt, was mit Ultraviolett verglichen worden ist, verarmen. Und das geschieht auch, vielleicht mehr, als man es heute schon bemerkt. Das wird vollständig geschehen. Daher wird man vor allen Dingen hier gewiesen an den Begriff des sozialen Organismus, aus dem Grunde, weil sich ja zeigt, daß die Valutaentwertung durch die alte Staatsbegrenzung bestimmt wird. Die alte Staatsbegrenzung greift also ein in den volkswirtschaftlichen Prozeß. Diesen muß man begreifen, aber man muß erst den sozialen Organismus verstehen. Aber all die Nationalökonomien, von Adam Smith angefangen bis herauf zu den neuesten, rechnen eigentlich mit kleinen Gebieten als sozialen Organismen. Sie beachten da nicht einmal, daß, wenn man schon eine bloße Analogie wählt, diese stimmen muß. Die Menschen beachten gar nicht, daß sie stimmen muß. Haben Sie schon einen wirklichen ausgewachsenen Organismus gesehen, der so ist: Hier ist zum Beispiel ein Mensch, hier ist der zweite Mensch, hier ist der dritte Mensch und so weiter. Es wären niedliche Menschenorganismen, die in solcher Weise aneinanderkleben würden; das gibt es doch bei ausgewachsenen Organismen nicht. Das ist aber doch bei den Staaten der Fall. Organismen brauchen die Leere um sich herum bis zu dem anderen Organismus. Das, womit Sie die einzelnen Staaten vergleichen können, sind höchstens die Zellen des Organismus, und Sie können nur die ganze Erde als Wirtschaftskörper mit einem Organismus vergleichen. Das müßte beachtet werden. Das ist mit Händen zu greifen, seit wir Weltwirtschaft haben, daß wir die einzelnen Staaten nur mit Zellen vergleichen können. Die ganze Erde, als Wirtschaftsorganismus gedacht, ist der soziale Organismus…

Hier findet man das Gesamtwerk http://www.dreigliederung.de/download/340.pdf

Es ist ja durchaus auf keinem der Gebiete, die innerhalb der anthroposophischen Bewegung heute getrieben werden und an deren Betreibung ich mich beteilige, etwa meine Überzeugung, daß alles kurz und klein geschlagen werden sollte, was an wissenschaftlichen Ergebnissen da ist; sondern es ist meine Überzeugung, daß wir innerhalb unserer Wissenschaften selbst vieles weitausgedehntes Brauchbare haben, daß nur die Handhabung dieses Brauchbaren, sowohl in der Naturwissenschaft wie auch in den Kulturwissenschaften, eine wesentliche Weiterentwickelung erfordert…